Tennisclub Eppstein e.V.        

 Eppstein spielt Tennis, wo es am schönsten ist.

60 Jahre Tennisclub Eppstein, Feierlichkeiten zum Jubiläumsfest

8. September 2017, Akademische Feier 

Die Eröffnung des Jubiläumsfests war auf Freitag 19:30 Uhr festgelegt. Ich hatte zu überlegen, was ich zu diesem Anlass anziehe. Jacke und Pullover gehen für einen so festlichen Anlass natürlich nicht. Dazu wollte ich auch keine Tasche für meine Utensilien als Pressewart mitnehmen. Das ist zu unpraktisch. Also probiere ich, die Sachen im Jackett meiner Kombination unterzubringen. Der Schreibblock hakelt beim Einstecken in die Innentasche des Sakkos, aber mit etwas Übung klappt es dann doch. Fotoapparat, Kuli, Smartphone und Programm verschwinden in den übrigen Taschen des Jacketts. Damit bin ich gut gerüstet. 

Becki, Leiterin des sechsköpfigen Organisationsteams, hatte die Vorstandsmitglieder für 19 Uhr auf die Anlage gebeten. Das gibt einen Zeitpuffer, der die Nervosität der Verantwortlichen dämmt. Ich mache mich auf den Weg und bin trotz Baustellen in Lorsbach und Weinfest in Eppstein knapp pünktlich auf der Anlage, wo ich die Mitglieder des Orga-Teams Becki, Dany, Nici, Carmen und Andi begrüße. Was ist mit Susanne? Die fällt für das Jubiläumsfest aus, sie muss sich um ihre Mutter kümmern. 

Barthel ist auch noch nicht da. Es ist fraglich, ob er überhaupt kommen kann, denn seit einigen Tagen liegt er mit Fieber im Bett und versucht, seiner schweren Erkältung Herr zu werden. Das Clubhaus ist festlich geschmückt. Am Tresen finde ich Carmen und ihre Freundin Petra sowie drei junge Damen, die Benny und Petra beim Serviceunterstützen werden. Ich bin neugierig und gehe in die Küche. Was hat sich unser Clubhauspächter Benny zum Jubiläumsfest einfallen lassen? Ich darf ein Foto machen und Benny erzählt mir, was es heute als Fingerfood gibt: Zweierlei Hähnchenfilet am Spieß mit Paprika oder Honig, Datteln und Pflaumen im Speckmantel mit San Marzano Tomate, Kanapee mit Salame Milano, panierter Mozzarella Stick, Hähnchen im Kokosmantel und Tomate Mozzarella Spieß. Sieht alles prächtig aus und schmeckt auch so. Leider werde ich später nur drei Teile bekommen – keine Zeit als Pressewart. 

Vor dem Clubhaus habe ich, ein Prosecco in der Hand, noch ein wenig Smalltalk mitSven, Blanca, Jim und Chris. Dabei zeigt mir Jim auf dem Smartphone die Nachricht:Barthel kommt, wird aber nicht lange bleiben können. Es geht auf 19:30 Uhr zu und die Terrasse füllt sich. Eppsteins 1. Stadträtin Sabine Bergold trifft ein. Sie wird von unserem früheren Vergnügungswart Hans Vits in Empfang genommen. Und schließlich kommt, herzlich von uns allen begrüßt, der gesundheitlich angeschlagene 1. Vorsitzende Barthel Sauveur in Begleitung seiner Frau Gabi. 

Das ist dann auch das Signal für die Einführung des offiziellen Teils des Abends durch Hubertus‘ Jagdbläser, die sich auf der Terrasse aufgestellt haben. Die Jagdhörner schmettern im Chor über die Tennisanlage. Mehrere Lieder werden intoniert. Dem Publikum gefällt es, und bei manchem kommt der Wunsch auf, an einer Jagd dabei zu sein und das anschließende Halali zu hören. Hubertus, im Bild oben ganz rechts, hat dieses Vergnügen sicher öfters.

Nun strömen die Leute von der Terrasse herein ins offene Clubhaus, wo Barthel hinter dem Tresen steht. Er beginnt mit einer Erläuterung des Ablaufs des heutigen Abends: 

Bis 22 Uhr sind Sekt, Wein, Bier und Softdrinks sowie Fingerfood frei (wer will kann ja einen Obolus in unser Sparschwein entrichten). Nach 22 Uhr geht es auf eigene Rechnung. Es gibt die Möglichkeit, heute schon Lose für die Tombola zu erwerben, 2 € pro Los. 1.000 Lose, 200 Gewinne. Gewinner werden am Sonntag ausgelost und sollten dann persönlich anwesend sein. Wenn nicht, Lose einem Bekannten geben oder einem Mitglied des Orga-Teams. Gleich hören Sie die Jagdbläser zur Versammlung blasen. Dann müssen Sie noch einige Reden ertragen. Darauf folgen Fingerfood und der Auftritt des Trios „Cafe Confuso“ der Musikschule Eppstein. Bevor dieJagdbläser erneut aufblasen, findet die Ehrung der Damen 30 statt. Und dann gibt’s noch den TCE-Film, den die Firma KaZaWa für uns gedreht hat. Hubertus, bitte blase zur Versammlung!

Text der Rede des 1. Vorsitzenden Barthel Sauveur

Eppstein ist ja als die „Perle der Nassauischen Schweiz“ bekannt. Noch nicht so im Gedächtnis ist, dass die Perle von Eppstein natürlich nur - neben der Burg - der TCE sein kann – weshalb unser Slogan seit langem schon lautet: Eppstein spielt Tennis, wo es am schönsten ist.

Und weil dieser TCE in diesem Jahr sein 60-jähriges Jubiläum feiert, sind wir heute alle hier – und vielleicht ja auch morgen und übermorgen – denn wir feiern ja während dreier Tage. 

Nun ist dieses 60igste Jubiläum natürlich nichts gegenüber dem der Stadt Eppstein – 700 Jahre im nächsten Jahr – und so müssen wir uns auch noch nicht so alt fühlen. Also: junger Club in alter Stadt – eine Symbiose, die bisher ganz gut geklappt hat.

Nun sind Jubiläen meist ein Anlass für Rückblicke – und das ist auch gut so, um Traditionen zu beginnen, oder um sie zu bewahren. Auch deswegen haben wir in unserem Internetauftritt ein Kapitel „Chronik“ aufbereitet; da kann sich jeder über unsere Anfänge und Weiterentwicklung unseres Clubs schlaumachen.

Erlauben Sie mir deshalb, dass ich eine kleine Bestandsaufnahme mache und einen Blick in unsere Zukunft wage.

Wir sind nicht der Nabel der Tenniswelt – auch wenn die Zeit unter Dieter Ecklebe und danach, enorme sportliche Höhepunkte aufwies – als sich hier Wimbledon Endspielteilnehmer und Daviscupspieler auf den Plätzen tummelten – oder denken wir an unsere Supersenioren um Karl Freund, die 1990 in der Regionalliga Südwest bis nach Ulm zu ihren Medenspielen reisen durften/mussten. Auch unsere Damen tauchten öfters in der Hessenliga auf. Aber das waren meist kurzlebige Ausnahmen, und wir sollten bitte eines nicht vergessen:

Wir sind ein Provinzverein. Schön, schmuck und von einigem Liebreiz. UnsereEngländer würden sagen „the jewel in the crown of Eppstein“, aber wir sind vielleicht auch ein bisschen träge, zu wenig ehrgeizig, lieb und langweilig.

Und die strategische Frage erhebt sich: Wollen wir das bleiben? Oder wollen wir die Geschicke des Clubs wieder in neue sportliche Höhen lenken? Dieser zentralen strategischen Frage muss sich jeder künftige Vorstand stellen.

Machen wir weiter wie bisher mit Jugendförderung und sozialer Orientierung – Spaßvögel nennen dies einen „Kuschelclub“ – oder sind wir sportlich sehr viel ambitionierter, damit wir in den höheren Ligen mitmischen können? Also es geht darum, ob man Spitzensport oder Breitensport anstreben – und damit auch fördern will.

Unsere Vorstände haben sich seit 12 Jahren für Breitensport entschieden. Mein Vorgänger Gerd Marquordt hat dankenswerterweise diesen Weg vorgegeben. Und das ging und geht nur über Jugendförderung. Wir haben engen Kontakt mit unserem freundlichen Nachbarn TSG, die sich ja auch der Jugendförderung verschrieben haben. Wir bieten beiden benachbarten Schulen Spielmöglichkeiten an. Wir richten Jugendmeisterschaften aus, wir organisieren 2 mal p.a. jeweils 5-tägige Tenniscamps. Und wenn das Wetter es zulässt: Zeltlager. Wir haben knapp 40% Jugendliche. Und wir hatten/haben mit unseren Jugendwartinnen Karen Ehrenborg und Nici Hammer unglaublich engagierte und fähige Personen abgestellt, die einen Superjob gemacht haben. Wegen der hohen Belastung haben wir jüngst eine 2. Jugendwartin bestellt. Und zusätzlich wird die jeweils aktuelle Jugendwartin noch von einer Reihe weiterer Personen unterstützt: Bei uns ist Jugendwart/in ein ganz zentraler Job im Vorstand. 

Warum?

Spitzensport, wie alle Spitzenleistung, kann nur von einigen Wenigen erbracht werden.  Spitze – das ist ganz ganz oben – schwebt aber nicht im leeren Raum, sondern ruht auf einer Basis, je breiter desto besser. Und diese Basis gilt es zu liefern. Dieser Unterbau ist in sich ja wieder geschichtet: nach den Allerbesten ganz oben kommen dann die Besten, die sehr Guten, die Guten – und eben die vielen Anderen. Dies bietet also ein reiches Betätigungsfeld für einen kleinen Verein in einer kleinen Stadt.

Aber wir werden auch in Zukunft wohl keine eigene Halle für das Wintertraining bauen. Diese müssten man aber haben, wenn man sehr gute Spieler binden will. Auch Flutlicht haben wir keines, um im Sommer länger trainieren zu können. Wir kaufen auch keine Spieler ein, oder stellen Spitzentrainer an. Wir haben auch immer noch nicht unsere Plätze erneuert. Deren schon lange nicht mehr einwandfrei funktionierende Drainage richtet bei Starkregen nur deshalb keinen größeren Schaden an, weil wir mit unserer Platzwartin Corinna Brandl augenscheinlich ein Genie eingestellt haben. Wir erhöhen die Beiträge nur, wenn es dringend nötig ist. (So kann man derzeit als Einzelperson für 240 € p.a. aktiv Tennis spielen; fördernde Mitglieder zahlen 55 €, und 500 € zahlt eine ganze Familie. Jugendliche je nach Altersgruppe zwischen 60 und 130 €.) Diese Beiträge müssten wir aber drastisch erhöhen, wenn wir uns für Spitzensport entscheiden würden. Wir richten noch nicht einmal Vereinsmeisterschaften für Erwachsene aus, um unsere Besten zu ermitteln – nicht aus weiser Voraussicht des Vorstands, sondern weil die Mitglieder es so wollen (und lieber bei LK-Turnieren spielen). Und wir akzeptieren – wenn auch zähneknirschend – wenn Talent-Scouts unsere besten Jugendlichen rauskaufen. Lass andere Vereine sich um die Stars raufen. Wir kümmern uns lieber um die aufwendige Nachwuchsarbeit und verlangen noch nicht einmal Ablösesummen (weil wir keine bekämen).

Dies könnte ein neuer Vorstand natürlich ändern. Aber es gibt gute Gründe dagegen. Eppstein entwickelt sich zu einer Schlafstadt, der die kritische Masse fehlt, um zu wachsen. Mithin sind auch unsere Wachstumsmöglichkeiten beschränkt. Wenn sich nicht plötzlich ein sehr zahlungskräftiger Sponsor einstellt.

Aber vielleicht kommt ja durch die Bebauung des Bienroth ein neuer Schwung in unseren Laden – sprich steigende Mitgliederzahlen. Und wir müssten dann wieder eine Warteliste für Neumitglieder einführen, um allzu lange Wartezeiten und Streitereien an den Abenden zu vermeiden. Derzeit haben wir ca. 350 Mitglieder; 400 wären optimal bei 8 Plätzen.

Aber ich glaube, in der näheren Zukunft wird sich nicht viel ändern, wir werden ohne das olympische Prinzip „schneller, höher, stärker“ auskommen müssen – und der Club wird fröhlich und unbeschwert seinem Freizeitsport nachgehen können.

Also: Kein Wachstum um jeden Preis. Stillstand hat ja auch was. Wenn er denn nicht lähmend wirkt.

Ich darf nun Frau Sabine Bergold als Vertreterin der Stadt bitten, Ihr Grußwort vorzutragen – und vielleicht kann ja Frau Schuffenhauer in bewährter Manier wie beim 50-sten – ihre guten Beziehungen zum Wettergott noch einmal ausspielen. Und wer sonst noch etwas vortragen möchte.                                                                             

Haben Sie Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Text der Rede von Sabine Bergold, der 1. Stadträtin von Eppstein

Frau Bergolds Text, den sie in ihrer Rede an der einen oder anderen Stelle leicht abwandelt, ist hier übernommen. Natürlich gilt aber das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Sauveur, verehrter Vorstand, liebe Mitglieder, Freunde und Familien,

1957 entstand die fixe Idee, auf dem Bienroth einen Tennisverein zu gründen. Weder gab es Wasser noch Strom, noch eine geeignete Anfahrtsstraße.

1957 galt Eppstein als kleinste Stadt in Hessen. Und noch ein Rekord: Eppstein war nicht nur die kleinste, sondern auch die ärmste Stadt in Hessen.

Aber man behalf sich mit dem Spruch: „Eppsteins größter Reichtum ist der Geist seiner Bürger“. Genau dazu passt auch der Mut, hier auf dem Bienroth Tennisplätze anzulegen und etwas Neues entstehen zu lassen, und zwar direkt neben den Sportplätzen der TSG, deren Aufbau 1953 noch die amerikanische Militärregierung mit Räumgerät unterstützt hatte.

Wobei: Tennisspielen hatte im alten Eppstein durchaus Tradition: Das Mädchenpensionat Weinacht in der Rossertstraße (gegenüber dem Rathaus II) bot bereits Anfang des 20. Jahrhunderts den höheren Töchtern im Garten einen Tennisplatz zur Ertüchtigung, wo man natürlich noch in langen Röcken dem Ball nachjagte.

Nun also ein Tennisclub etwas weiter oben für alle Bürgerinnen und Bürger, der trotz bescheidener Mittel raschen Zuwachs fand und baulich immer wieder erweitert und verbessert wurde. Der für alte Eppsteiner und jene, die in der Nachbarschaft bauten, wie geschaffen war – als auch für Neubürgerinnen und Bürger, die hier bis heute herzlich aufgenommen werden.

Entstanden ist daraus eine herrliche Tennisanlage, eine Oase der Ruhe mit wunderbarem Blick – trotz weiterer Bebauung im Umfeld. Die Lage neben der TSG und in Nachbarschaft zu den Schulen verhalf zu wichtigen Kooperationen. Zum einen sind die Plätze heute bestens von der Platzwartin der TSG mitbetreut. Zum anderen können die Schülerinnen und Schüler hier Tennis spielen, in den Sport hineinschnuppern oder am Tenniscamp teilnehmen.

So wundert es nicht, dass der TCE heute eine hohe Prozentzahl von Nachwuchsspielern hat, wovon andere Vereine teils nur träumen können: 38 Prozent der Mitglieder sind unter 19 Jahren.

Das erachte ich für ganz wichtig, denn der Sport formt die Persönlichkeit. Kinder und Jugendliche lernen, mit Niederlagen klar zu kommen, sich einmal durchzubeißen, auch wenn der Partner haushoch überlegen ist und nicht gleich den Schläger weg zu schmeißen. Und sie lernen, in einer Gemeinschaft Sport zu machen, in der es auch Regeln gibt.

Mit aktuell 346 Mitgliedern insgesamt muss sich der TCE wahrlich nicht verstecken. Auch wenn es mal 400 und mehr Mitglieder waren und mancher gar ein Jahr warten musste, bis er als Aktiver zum Spiel zugelassen wurde, können Sie doch in Konkurrenz zu vielen Vereinen und immer mehr Sportaktivitäten, im Wettbewerb zu Sportstudios und Fitnesstempeln stolz darauf sein, zumal der Trend sich ja aktuell ja wieder nach oben entwickelt.

Woran mag das liegen?

An der schönen Lage im Grünen, dem Blick, der entspannten Atmosphäre? An mittlerweile 8 Plätzen, einer schön ausgebauten Terrasse zum Sitzen und einer netten Gastronomie? An den vorbildlich organisierten Medenspielen, Meisterschaften und Clubhausfeten?

Oder an den netten Trainerinnen und Trainern, dem engagierten Vorstand und begeisterten Mitgliedern?

Mit Sicherheit ist es die charmante Mischung, die sich auch in Ihrem Motto ausdrückt:

„Wir feiern das Leben, wir spielen nicht nur Tennis.“

Oder, um an das Zitat der ärmsten Stadt Hessen zu erinnern: „Der größte Reichtum des TCE ist der Geist seiner Mitglieder“. Denn der Verein, das sind Sie alle: die engagierten Medenspieler, die sonntags früh hier antreten, die Schülerinnen und Schüler, die mittags erste Versuche wagen, die Spieler, die abends gemütlich zum Entspannen herkommen und ein paar Bälle schlagen, die Eltern, die ihre Kinder zum Training bringen und diejenigen, die Herz und Seele des Vereins sind und die man eigentlich immer hier trifft.

Und Ihnen allen möchte ich zum 60-jährigen Bestehen ganz herzlich im Namen der Stadt Eppstein gratulieren. Und ich möchte Ihnen danken, für eine toll engagierte Vereinsarbeit, für die große Unterstützung beim Burglauf, Ihr Engagement beim Weihnachtsmarkt, dafür, dass Sie mit Ihrem Sportsgeist auch die Stadt Eppstein vertreten und dass sie hier eine Oase schaffen, in der man Tennis spielen aber auch mal einfach abends gemütlich zum Essen kommen kann. Herzlichen Dank!

Für die Zukunft wünsche ich dem TC Eppstein alles erdenklich Gute!! Spielen Sie Tennis – so oft wie möglich – und feiern Sie das Leben, wann immer es geht. Feiern Sie Erfolge, genießen Sie hier Sport und Entspannung vom Alltag. Und nicht zuletzt: Feiern Sie das Jubiläum! Ich wünsche Ihnen allen ein gelungenes Festwochenende und wunderschöne gemeinsame Stunden!

Grußwort der Eppsteiner Pfarrerin Heike Schuffenhauer

Frau Schuffenhauer nutzt die Gelegenheit, dem TCE in einer improvisierten Rede zum 60-sten Geburtstag zu gratulieren. Obwohl nicht vorbereitet und nur auf Barthel Sauveurs Aufforderung, ihre bekannt guten Beziehungen zum Wettergott noch einmal spielen zu lassen, ergreift sie couragiert das Wort. Sie lobt die Arbeit des Tennisclubs, der sich mit viel Engagement und finanziellem Aufwand dem Tennisnachwuchs widmet, und sich nicht um teures Spitzentennis bemüht. Die Kinder und Jugendlichen werden durch intensive Schulung mit ausgebildeten und guten Trainern spielerisch an die Gedanken von Leistung und Fairness herangeführt. So erfahren Sie früh, dass man gewinnen kann aber auch verlieren lernen muss. Auf diese Weise kann sich ein gedeihliches Miteinander entwickeln. Darin erkennte sie durchaus auch Ähnlichkeiten mit christlichen Gedanken. 

Natürlich hat sich Frau Schuffenhauer auch um das Jubiläumswetter bemüht. Nach eigener Aussage studierte sie mehrere Wetterportale und entschied sich schließlich für die günstigste Variante, die uns nur wenig Regen prophezeit.

Zu guter Letzt bringt sie dem Tennisclub auch noch ein kleines Geschenk mit, eine Miniaturskulptur von Tennisspielern in Aktion auf einem kleinen Stück Taunusquarzit, ein wahres Kunstwerk aus der Hand ihrer Lebenspartnerin.

Damit ist aber noch lange nicht Schluss. Weitere Grußadressen werden vorgebracht. 

Der 2. Vorsitzenden des TC Diedenbergen Wolfgang Böhm gratuliert und lobt die gute Zusammenarbeit zwischen beiden Tennisclubs über die Jugendarbeit. Nach seiner Meinung ergänzen sich die Leistungsprofile der Vereine optimal. Sobald unsere Jugendlichen über unser Niveau herauswachsen, werden sie vom TC Diedenbergen gern übernommen. Dennoch ist auch dieser Club, wie er sagt, ein Provinzverein. 

Der Kreisparlamentsvorsitzende des Main-Taunus-Kreis Herr Wolfgang Männer überbringt in Vertretung des Landrats Michael Cyriax seine Glückwünsche.

Der 1. Vorsitzende des TC 71 Bremthal Thomas Seifert erscheint last but not least zu einer erfrischenden Gratulation.  

All diese Ansprachen erhielten viel Applaus. Besonders erwähnenswert ist, dass alle Gratulanten dem TC Eppstein ein Geschenk mitbrachten, sei es in einem Briefumschlag oder als Kunstwerk im Schuhkarton. Vielen Dank! 

Auf der Terrasse ist es schon dunkel. Von dort ertönt wieder der Hörnerklang von Hubertus’ Jagdbläsern. Damit geht der offizielle Teil der Akademischen Feier zu Ende und die Party kann beginnen.

Die trockenen Stunden sind vorbei. Es gibt wieder Prosecco und die jungen Damen bringen schier unaufhörlich Platte um Platte mit köstlichem Fingerfood. Man unterhält sich angeregt. Der Geräuschpegel steigt im Nu auf vorher nicht gekannte Pegel. Die Unterhaltung wird schwierig unddie Ersten weichen schon auf die empfindlich kühle Terrasse aus. 

Barthel und Gabi sind bereits gegangen. Er muss nach Hause und ins Bett, es warten noch weitere Verpflichtungen auf ihn. 

Abseits der Bar beginnt das „Cafe Confuso“ der Musikschule Eppstein aufzuspielen. 

Carmen Harrer, Violine, Ulrike Drommershausen, Klavier, und Ulrich Harrer, Gitarre, haben anfangs Mühe, gegen die Geräuschkulisse der Feiernden anzuspielen. Doch mehr und mehr Gäste interessieren sich für ihre schönen und schwungvollen CsardasWeisen, so dass auch sie ihr verdientes Publikum haben.

Dann macht sich Chris an den Computer. Mit Andis Hilfe gelang es ihm, den vor drei Jahren produzierten TCE-Film, den man auch auf unserer Homepage betrachten kann, an die Wand zu werfen. Alles schaut zu. Es ist kein Stummfilm, deshalb ist der Geräuschpegel jetzt null. Damals wurde der TCE zum Set: Hollywood meets Eppstein.

Nach mehrwöchigen peniblen Vorbereitungen drehte das KaZaWa Team den TCEFilm an einem Tag. Alle Tennisplätze wurden gebraucht. Nichts durfte danebengehen. Knapp hundert Mitglieder verfolgten den Dreh, der mit einer großen Party zu Ende ging. Die Stimmung im Verein erreichte damals einen Höhepunkt. Und dieses Erlebnis wird jetzt nochmals aufgefrischt. Am Ende der Vorführung großer Applaus. Dieser Film hat für den Verein nach innen viel Positives bewirkt.

Aber nun weiter mit dem Programm. Die Ehrung des Damen 30 Teams steht an. Carmen hat für Jim die Laudatio geschrieben, die er nun vom Tablet vorträgt: 

Zum Glück haben wir in unserem Jubiläumsjahr zumindest einen Aufsteiger. Während die Damen 40 den Aufstieg in die Hessenliga ganz knapp verpasst haben, sind die neu formierten Damen 30 mit Mannschaftsführerin Nicole Beck souverän mit 12:0 Punkten von der Kreisliga in die Bezirksliga aufgestiegen. Eine Supermannschaftsleistung der Damen, die heute Abend vollzählig anwesend sind, mit Nicole Beck, Carmen Groß, Dany Wißkirchen, Anette Müller, Blanca Zahlten, Christina Helwig-Alepoudas, Hilke Schaust, Gabi Schulze-Winkmann und Stefanie von Hein.

Weil sie alle Spiele zu Null gewonnen haben, haben sie auch eine besondere Ehrungverdient. Ich darf eine Flasche Magnum Sekt sowie Blumen als unseren Glückwunsch überreichen und der Hoffnung Ausdruck geben, dass sie auch in 2018 ähnlich erfolgreich sein werden.

Nun nimmt das Trio „Cafe Confuso“ noch einmal das Musizieren auf, während sich die Damen 30 laut feiernd und lärmend auf die Terrasse verziehen. Im Clubhaus kehrt Ruhe ein, viele Ältere sind schon gegangen. Jetzt kann man die Musik genießen. 

Ich lasse mir den zweiten Prosecco einschenken und unterhalte mich mit Dagmar Hirtz-Weiser über Selbstbewußtsein, ob es einem schon in die Wiege gelegt sein kann, wie es sich entwickelt und was man selbst dafür tun kann. Ein sehr interessantes Gespräch, in dem wir uns in vielem einig sind.

Plötzlich werde ich durch den draußen wieder lauter werdenden Lärm auf die Terrasse gelockt. Und was ist dort zu sehen? Immer noch die Damen 30 – jetzt außer Rand und Band! 

Überschäumende Freude hat das Team gepackt. Es wird gesungen, geschäkert und gelacht – Lebenslust pur! Der Pegel der Magnumflasche ist nicht mehr weit von zero, doch das kümmert keine. Heute wird gefeiert und dazu gibt es allen Grund.

Ich bin schon ein wenig neidisch auf diese Ausgelassenheit. Aber meine Rolle in diesen Tagen ist eine andere. Ich dokumentiere die Ereignisse des Jubiläumsfests in Bild und Schrift und da gehört schon eine Portion Nüchternheit dazu. Freunde sagen, das fiele mir nicht schwer, sei sie doch Teil meines Charakters. So verabschiede ich mich von der fröhlichen Truppe, auch von Dagmar und den Anderen im Clubhaus, steige in meinen Sportsvan und fahre durch das dunkle und kurvenreiche Lorsbachtal nach Hause.

Reinhard Schmidt